Der JAMM-JAZZ Art e.v. feierte Abschied von Oskar Riha mit dem Andreas Dombert Trio

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Andreas Dombert an der Gitarre und für die Kompositionen zuständig, wurde bei seinem Konzert im Kaminwerk am vergangenen Samstag, das vom BR mitgeschnitten wurde, begleitet von Henning Sieverts am Bass und James Maddren am Schlagzeug.

Doch bevor es losgeht, verabschieden sich die anwesenden Gäste vom Gründer und bisherigen Vorsitzenden des Jamm-Jazz Art Memmingen e.V. Oskar Riha, der damit ein Kapitel seines Lebens beendet, das er 1993 aus Liebe zum Jazz begann.

Andreas Dombert stellt uns an diesem Abend seine neue CD „35“ vor. Seine Kinderstube ist die klassische Musik, die den Impuls gibt für Andreas Domberts Vorliebe für wunderschöne Melodien. Aus diesem Fixpunkt bricht er in die Weiten der Improvisation auf. – Sie auf der einen, und die improvisatorische Freiheit auf der anderen Seite bilden das Spannungsfeld, in dem sich Andreas Dombert in seiner Musik bewegt und seine eigene Spielart des Jazz kreiert.

Geerdet, energetisch und zeitgemäß präsentiert sich seine Musikwelt, im deren Zentrum oft einfache Akkorde stehen: Dreiklänge mit Terz (3) und Quinte (5) bilden die Basis, von der er seine Ausflüge in komplexe musikalische Welten startet und das Fundament, zu dem er zurückkehrt.

Der Albumtitel „35“ ist daher auch als Anspielung darauf zu verstehen und parallel dazu eine Hommage an sein Alter, als einen Anlass, ein erstes Resümee seines bisherigen Lebens und Wirkens zu ziehen.

Zum ersten Mal präsentiert der Gitarrist darin seine eigene Musik im Trio – kompromisslos und offenherzig, legt seine musikalischen Wurzeln frei und läßt die Zuhörer teihaben an seinem Innersten.

Für seine Trio-Tour hat er sich zwei seelenverwandte Mitstreiter an die Seite gestellt: den Londoner Schlagzeuger James Maddren und den Münchner Bassisten Henning Sieverts.

James Maddren, mit dem nach seiner Erzählung in kürzester Zeit der Funke übersprang, und den er als „bad whitty evil“ bezeichnet – im schwarz-humoristischen England das größtmögliche Lob – gilt als europäischer Shootingstar. Bei seinem Studienabschluss 2009 erhielt der heute 29-jährige Brite die Auszeichnung Principal’s Award for Outstanding Studentship und noch im gleichen Jahr gehörte er dem Trio des Pianisten Gwilym Simcock an sowie dem Trio von Kit Downes, dessen Album „Golden“ für den Mercury Prize nominiert wurde. Er spielte bereits mit Jazzgrößen wie Kenny Wheeler, Norma Winstone, John Warren und Gwilym Simcock.

Der vielfach ausgezeichnete Münchener Bassist und Mitglied des Bundesjazzorchesters Henning Sieverts bewegt sich mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Klassik und Jazz. Mit mehr als 100 CD-Veröffentlichungen gehört er zu den meistbeschäftigten Jazzbassisten und -cellisten Europas und spielte mit ebenso vielen Europäischen Jazz-Größen für Studioaufnahmen und Livetourneen im In- und Ausland.

Zwei Musiker, die Andreas Domberts Kompositionen und Ideen nicht nur mühelos aufgreifen, sondern diese mit ihm gemeinsam vollenden – es wird aufgelöst und wieder zusammengefügt, abstrahiert und konkretisiert. Mit wunderschönen Harmonien, atmosphärischen Entdeckungsreisen und musikalischem Erfindungsreichtum hat das Andreas Dombert Trio mit dem Programm „35“ eine faszinierende Klangwelt erzeugt.

Die JAMM-JAZZ-Story um Oskar Riha

Seit 1993 organisierte Oskar Riha auf eigene Faust und Risiko Jazz-Konzerte in Memmingen. Die „Initialzündung“ bildete Paul Wertico (Schlagzeuger von Pat Metheny Group), es folgten Konzerte mit Ralph Towner solo, Oregon, Al DiMeola, John Abercrombie, Egberto Gismonti, den damals noch unbekannten Joshua Redman, Dino Saluzzi, Bill Evans, und viele mehr.

Außer Pat Metheny hatte er in dieser Zeit alle großen Gitarristen schon nach Memmingen geholt. Manches Mal wollte er bereits aufhören, aber gab nicht auf.

1998 war es der Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer, der Oskar Riha anspornte weiterzumachen und einen Verein zu gründen. Es fanden sich 6 weitere Gründungsmitglieder und der Verein wurde im gleichen Jahr offiziell gegründet.

Heute zählt der Verein über 90 treue Mitglieder. Dank dem großen Engagement Oskar Rihas, der Sponsoren und der Stadt Memmingen wurden keine „roten Zahlen“ geschrieben.

Im Juli 2011 wollte Oskar Riha erneut aufhören, diesmal spornte ihn seine jetzige Ehefrau Susanne Schulzke-Riha an, gemeinsam das Kulturprojekt Jazz in Memmingen weiterzuverfolgen.

Oskar Riha arbeitete 11 Jahre lang für das renomierte Plattenlabel ECM in München, ist seit über 35 Jahren Musiklehrer für Klassische Gitarre an der Sing & Musikschule Memmingen und dem Strigl-Gymnasium, Preisträger des Memminger Kulturpreises 2011 und des Kulturpreises der Rupert-Gabler-Stiftung.

Auf die Frage, wieso er das Projekt JAMM-JAZZ überhaupt machte antwortete Oskar Riha: „Ich liebe den Jazz und wollte alle daran teilhaben lassen, die diese Musik ebenfalls lieben.“

Mit diesem letzten sehr schönen Konzert, das Oskar Riha für den JAMM-JAZZ Art e.V. Memmingen organisiert hat, schloss sich nun der Kreis für ihn.

Ein paar mehr Fotos vom Konzert auf unserer Facebookseite.

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