Der städtische Bauhof rüstet sich für den Winter

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Nach 40 Jahren hatten die drei alten Holzsilos auf dem städtischen Bauhof ausgedient. Ein 20 Meter hohes neues Kunststoffsilo wird sie zukünftig ersetzen, um das Streusalz für den Winter zu lagern. Rund 280 Kilometer Straßen, 100 Kilometer Rad- und Gehwege, 30 Bushaltestellen und mehr als 20 Parkplätze gilt es in Memmingen im Winter von Schnee und Eis zu befreien. Das Bayerische Landesamt für Umwelt und der Bund Naturschutz gibt dazu Empfehlungen für Anlieger und Kommunen.

Mit großen Kränen und der tatkräftigen Beteiligung der Mitarbeiter des städtischen Bauhofs wurde jetzt auf dem dortigen Betriebsgelände ein neues Salzsilo aufgestellt. „Die Errichtung des neuen Silos war notwendig, da nach einer technischen Überprüfung die Standsicherheit der drei alten Holzsilos nicht mehr gewährleistet werden konnte“, erklärte Tiefbauamtsleiter Gernot Winkler.

Das auf einem Stahlunterbau stehende neue Kunststoffsilo ist 20 Meter hoch und fasst 150 Kubikmeter Streusalz. „Der Bauhof hat die erforderlichen Fundamentierungsarbeiten aus eigener Hand erbracht“, so Winkler. Dabei seien 2,3 Tonnen Stahl und 70 Tonnen Beton verarbeitet worden.

Mehr als 30 Räumfahrzeuge und über 45 Handräumer sind einsatzbereit, das neue Salzsilo steht und die Vorratslager sind mit Streusalz gefüllt.

Damit ist der städtische Bauhof in Memmingen für den kommenden Winter bestens gerüstet, wenn mit dem ersten Schneefall rund 280 Kilometer Straßen, 100 Kilometer Rad- und Gehwege, 30 Bushaltestellen und mehr als 20 Parkplätze von Schnee und Eis zu befreien sind.

Nützliche Infos über den Gebrauch von rutschhemmenden und auftauenden Mitteln im Winterdienst

Das Bayerische Landesamt für Umwelt klärt über Risiken von Streusalz und Split auf und gibt Empfehlungen an private Anlieger, wie auch Kommunen über den differenzierten Winterdienst. Der Bund Naturschutz zeigt Alternativen zum Streusalz auf. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Das Bayerische Landesamt für Umwelt klärt auf

Damit Fußgänger und Autofahrer auch im Winter sicher ankommen, streuen Anlieger und Winterdienste rutschhemmende und auftauende Mittel. Doch egal, ob man zu Streusalz oder Splitt greift – beides belastet die Umwelt, wenn auch in unterschiedlichem Maß.

Streusalze (Auftausalze) werden zum einen ausgebracht, um zu verhindern, dass sich auf Straßen und Gehwegen Eis bildet, und zum anderen, um Eis und Schnee aufzutauen.

Meistens wird Natriumchlorid („Kochsalz“) als Streusalz verwendet. Darüber hinaus werden Calcium- und Magnesiumchlorid sowie Mischungen der genannten Salze (auch als Feuchtsalz) eingesetzt. (Erklärung: `Feuchtsalze´ sind Lösungen aus Kalzium- oder Magnesiumchlorid, die besser auf der Straße haften und vom Wind nicht verfrachtet werden, was die Umweltbelastung verringert. Zudem hat Feuchtsalz eine höhere Tauwirksamkeit und ist bei Glatteis effektiver. (Quelle: http://www.naturtipps.com/streusalz.html)).

  • Auftausalze schädigen Boden, Bäume und Sträucher, die Pfoten von Tieren, aber auch Fische und andere Lebewesen in Gewässern. Außerdem lassen die Salze Brücken und Fahrzeuge korrodieren. Durch all diese Faktoren entstehen Folgekosten für Neuanpflanzungen, Reparaturen und Sanierungen.
  • Auftausalze können mit dem Sickerwasser in das Grundwasser gelangen und so zu einer „Aufsalzung“ des Grundwassers beitragen.
  • Auftausalze, die Salze der Ameisensäure enthalten (Natrium- oder Kaliumformiate) wirken deutlich weniger korrosiv als herkömmliches Streusalz. Deshalb werden sie vorwiegend auf Flugplätzen verwendet. Das Umweltbundesamt empfiehlt, formiathaltige Auftausalze nicht im Winterdienst auf Straßen und Wegen einzusetzen. Denn im Vergleich zu anderen Streusalzen oder abstumpfenden Mitteln muss zur Herstellung formiathaltiger Auftausalze wesentlich mehr Energie eingesetzt werden. Außerdem wird beim biologischen Abbau von Formiat Sauerstoff verbraucht, der anderen Lebewesen dann nicht mehr zur Verfügung steht.
  • Abstumpfende Streumittel erhöhen bei Schnee- und Eisglätte die Griffigkeit von Straßen und Gehwegen. Bevorzugt werden natürliche Stoffe wie Sand und Splitt eingesetzt.
  • Um abstumpfende Streumittel wie Splitt herzustellen, auszubringen, einzusammeln und zu entsorgen, wird viel Energie benötigt. Streumittel können nur nach aufwändiger Nassreinigung wiederverwendet werden, da sie erhebliche Mengen Reifenabrieb, Staub und anderen Straßenschmutz enthalten.
  • Abstumpfende Stoffe können nach Winterende nur teilweise wieder entfernt werden. Das liegengebliebene Material verunreinigt Grünflächen und landwirtschaftliche Flächen. Auch in den Sinkkästen der Straßenabläufe und dem Sandfang kommunaler Kläranlagen sammeln sich große Mengen, die entsorgt werden müssen. Die Arbeiten mit den abstumpfenden Stoffen wirbeln Staub auf, der die Gesundheit des Kehrpersonals gefährden kann.

Empfehlungen

Am umweltschonendsten ist es, differenziert – also an die aktuelle Situation angepasst – vorzugehen.

Empfohlen wird Splitt-Salz oder ein Sand-Salz-Gemisch, bei dem der Salzanteil 10 v. H. nicht übersteigt.

Für private Anlieger und die Winterdienste der Gemeinden gilt gleichermaßen:

      • Bevorzugt Schnee räumen! Dabei ist zu beachten, dass Räumschnee durch Tausalze sowie Schmutz und sonstige Schadstoffe verunreinigt sein kann. Deshalb sollte er grundsätzlich nicht in die Nähe von Bäumen und anderen Pflanzen oder in Gewässer geschoben werden.
      • Auf Gehwegen abstumpfende Mittel streuen (Sand, Splitt, Granulat). Dabei bevorzugt Produkte verwenden, die mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet wurden.
      • Salz nur selten oder in geringen Mengen einsetzen: Als Richtgröße sollten zehn Gramm Salz pro Quadratmeter und Streuvorgang nicht überschritten werden. Gesalzt werden insbesondere Gefahrenstellen, z. B. starke Steigungen oder Treppen.

Private Anlieger müssen stets die speziellen Vorschriften ihrer Gemeinde beachten:

      • Zu welchen Zeiten Schnee geräumt werden muss, sowie
      • ob und in welchem Umfang der Einsatz von Streusalz erlaubt ist, haben die Gemeinden in ihrer Straßenreinigungs- und Sicherungsverordnung (siehe Tabelle 1) festgehalten.

In vielen Kommunen ist das Streuen von Salz grundsätzlich verboten.

Die Winterdienste der Gemeinden sollten folgende Punkte beachten:

      • Räumschnee von Verkehrsflächen kann durch Tausalze sowie Schmutz und sonstige Schadstoffe wie Öl, Ruß, Zink, Kupfer oder Eisen verunreinigt sein. Deshalb darf er grundsätzlich nicht in Gewässer und besonders empfindliche Bereiche wie Trinkwasserschutzgebiete oder Feuchtbiotope eingebracht werden, sondern sollte auf geeigneten Flächen abgelagert werden, wo er umweltfreundlich abschmelzen kann.
      • Gesalzt werden insbesondere Außerortsstraßen und in Orten die Hauptverkehrsstraßen sowie alle Strecken mit besonderen Gefahrenstellen und besonderen Verkehren. Besondere Gefahrenstellen können z. B. starke Steigungen oder verkehrsreiche Kreuzungen sein. Die ausgebrachte Salzmenge kann durch die Verwendung von Feuchtsalz, wegeabhängigen Dosiereinrichtungen und zeitnaher Beachtung von Wetterinformationen erheblich reduziert werden. Damit salzhaltige Straßenabwässer die Gewässer und den Boden nicht zu sehr belasten, sollten punktförmige Einleitungen bzw. Versickerungen möglichst vermieden werden.
      • Im nachgeordneten innerörtlichen Wegenetz ohne besondere Gefahrenpunkte kann im Normalfall auf das Streuen verzichtet werden.
      • Abstumpfende Streumittel (Sand, Splitt, Granulat) nur bei besonderen Situationen (z. B. schneereiche Gebiete in höheren Lagen) und auf Gehwegen einsetzen.

Regelungen in den kreisfreien Städten Bayerns

In vielen Kommunen Bayerns ist das Streuen von Salz grundsätzlich verboten. Die kreisfreien Städte Bayerns regeln dies in Verordnungen, die die Zulässigkeit von Streusalz regeln.

Hier der entsprechende Auszug aus der Verordnung der Stadt Memmingen:

„…bei Schnee-, Reif- oder Eisglätte mit Sand oder anderen geeigneten Mitteln, jedoch nicht mit ätzenden oder umweltschädlichen Stoffen, zu bestreuen oder das Eis zu beseitigen. 2 Die Verwendung von Streusalz ist jedoch bei besonderer Glättegefahr (z.B. an Treppen oder starken Steigungen) oder bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen (z.B. Eisregen) in dem aus Gründen der Verkehrssicherheit unumgänglich notwendigen Maß zulässig.“

Empfehlung des Bund Naturschutz – Alternativen zum Streusalz

Bei Schneefall reicht es meist aus, Gehwege gründlich und rechtzeitig mit Schippe oder Besen zu räumen.

Bei Eis und erhöhter Glättegefahr bieten sich Sand, Kies oder Sägespäne als Streumittel an. Auch Streumittel mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ sind geeignet und weitgehend frei von umweltschädlichen Stoffen.

Gebrauchtes Streugut gehört weder in die Mülltonne noch in die Kanalisation, sondern sollte von der Stadtreinigung aufgekehrt und fachgerecht aufbereitet werden.

(Quellen für „Nützliche Infos“: https://www.lfu.bayern.de/buerger/doc/uw_63_streusalz_splitt_winterdienst.pdf , sowie https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/verkehr-und-reisen/streusalz.html)

Foto:
Bild 1: Das neue Streusalzsilo des städtischen Bauhofes. Fotoquelle: Nadja Müller / Pressestelle Stadt Memmingen.
Bilder 2-4: Bildquelle: Pixabay.

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