Eine zutiefst persönliche Pariser Fashion Week Show demonstriert die Unterstützung der Marke für diesen Designer

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Lee Alexander McQueen verstarb 2010, aber nicht bevor er die Richtung in die sich die Mode in diesem Jahrzehnt entwickeln würde, mit außergewöhnlicher Genauigkeit vorhergesagt hatte.

Er glaubte fest an Mode als Rüstung für Frauen, hatte einen beunruhigenden Instinkt, in das dunkle Herz der Geschlechterpolitik zu stoßen, und einen Impuls, weibliche Stärke zu feiern. Im Nachhinein betrachtet ist es fast schon unheimlich, zu sehen, in welchem Maße McQueen die geschlechterpolitische Abrechnung vorhergesagt hatte, die Jahre später stattfand. Er sah die #MeToo-Ära voraus, die sich in den letzten Jahren in den Slogan-T-Shirts und Rocklängen-Debatten widergespiegelt hat.

Sarah Burton, die die Alexander McQueen Marke nun neun Jahre lang ohne den Schöpfer am Leben erhalten hat, ist eine Naturgewalt ganz anderer Art. Hinter den Kulissen, nach ihrer Show auf der Pariser Fashion Week, die im selben 17. Arrondissement Lycée stattfand, in dem McQueen 2005 seine Hitchcock Heroines Show inszenierte, sprach sie leidenschaftlich über die “tief persönlichen” Wurzeln einer Show, die in den Stofffabriken und der rauen Landschaft der Region Derbyshire, in der sie aufgewachsen ist, angesiedelt ist. “Es ist eine Rüstung, aber nicht wörtlich”, sagte sie. “Lee fing in der Savile Row an und bei McQueen geht es für mich immer um das schneidern. Die Jacke steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Beim Schneiderhandwerk geht es um Stärke, aber es geht auch darum, festgehalten zu werden.”

Anstelle von Stühlen oder Bänken war das gesamte Lycée Carnot mit Stoff- und Wollebahnen aus britischen Fabriken – William Halstead, John Foster, Bower Roebuck, Savile Clifford und Joshua Ellis – gesäumt, auf denen sich das Publikum niederlassen konnte. Die Kollektion war ein klassischer McQueen Balanceakt zwischen kompromisslosem Schneiderhandwerk und überwältigender Weiblichkeit. Es gab Blazer in Kammgarn-Flanell, Militärmäntel aus Kaschmir und einen Beefeater-ähnlichen roten Damen Hosenanzug. Aber es gab auch ein Korsagenkleid in “Lustrot” und ein Ballkleid aus strahlungsplissiertem Tüll.

Die Gestaltung dieser Kollektion als explizit persönliche Kollektion für den Designer war eine starke Botschaft von Kering, der Dachgesellschaft der Marke, vom Glauben an und der Unterstützung für Burton. Kering, das kürzlich andere kleine Marken, in die es investiert hatte, abgestoßen hat, hat weiterhin Vertrauen in Alexander McQueen gesetzt und die Absicht bekundet, es zu einer viel größeren Marke auszubauen.

Es wird angenommen, dass Kering vorhat, Alexander McQueen auf etwa die Größe von Saint Laurent zu vergrößern, was eine Verfünffachung der Größe bedeuten würde. Die Eröffnung eines opulenten Flagshipstores in London war ein klares Zeichen für das Bekenntnis von Kering zur Marke. Der kürzlich eingesetzte CEO Emmanuel Gintzburger erläuterte die Begründung für die teure Überholung: “McQueen ist nicht nur eine Marke, die man kauft, es ist auch ein Ort, an dem man versucht, eine kreative Erfahrung zu machen. Du musst etwas fühlen, und deshalb gehst du zu McQueen.”

 

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