Immer weniger Pflegende versorgen immer mehr Patienten

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Beim 11. Pflegesymposium in der Memminger Stadthalle wurde in Fachvorträgen erörtert, wie die Anforderungen gemeistert werden können, vor der die Pflege in den Krankenhäusern steht: Immer weniger Pflegende versorgen immer mehr Patienten, die zudem älter und damit chronisch kränker werden.

In Deutschland versorgt eine Pflegekraft pro Schicht über zehn Patienten. In den Niederlanden oder Großbritannien beispielsweise seien es lediglich vier bis fünf Patienten,

klärte Professor Christel Bienstein von der Universität Witten/Herdecke die rund 450 Symposiumteilnehmer auf.

„Eine völlige Schieflage“, benannte es die Pflegewissenschaftlerin Christel Bienstein. „Kollegen aus dem europäischen Ausland schütteln den Kopf, wenn sie hören, wie es bei uns in Deutschland zugeht.“ Noch im Jahr 1999 habe ein Arzt auf vier Pflegende zurückgreifen können, heute sei es nur noch die Hälfte davon und das, obwohl die Anforderungen noch gestiegen seien.

Studien würden belegen, dass das Risiko für die Patienten steige, wenn zu wenig Pflegende und zu wenig qualifizierte Pflegende auf der Station sind. „So entsteht eine Gefahr für die Patienten“, sagte die Wissenschaftlerin und Präsidentin des deutschen Pflegeverbandes. Das Mortalitätsrisiko steige, ebenso das Sturz- und Infektionsrisiko.

Um der Gefahr von Infektionen im Krankenhaus vorzubeugen, sei die Einhaltung der Hygieneanforderungen absolut notwendig, betonte Hygienefachkraft Carmen Peper vom Klinikum Memmingen in ihrem Vortrag mit dem ironischen Titel: „Steril ist steril, auch wenn es gleich zu Boden fiel“.

Der wichtigste Keimüberträger sei die Hand der Mitarbeiter, so die Hygienespezialistin und hob warnend hervor, dass die meisten Krankheitserreger Wochen bis Monate auf Flächen überleben können.

Wie die Pflege mit der neuen Arbeitsbelastung umgehen kann, versuchte der Regensburger Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut Dr. Stefan Demel zu klären. Großen Studien zufolge seien die Beschäftigen dann mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden, wenn sie wertgeschätzt würden und mit sich selbst sorgsam umgingen.

Eine solche Kultur der gegenseitigen Achtsamkeit verbessere die Arbeitsmoral und senke nachhaltig die Betriebsausgaben. Die im Arbeitsleben gängigen Kategorien von „richtig“ und „falsch“, „effektiv“ und „gewinnbringend“ bringen hingegen kontraproduktive und vielfach teure Folgeerscheinungen mit sich wie Misstrauen, ineffektive Arbeitsabläufe und innere Kündigung.

Unter dem Motto „Raus aus dem Jammersumpf“ gab die fränkische Motivationstrainerin Margit Hertlein auf humorvolle Weise Tipps für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz: Neben der Ansage „Tun sie sich selbst etwas Gutes!“, zeigte die Trainerin und Buchautorin dem begeisterten Publikum, wie man sich selbst voller Anerkennung den Bizeps küsst und mit den Händen ein „Lob-Töpfchen“ formt, in das Mitarbeiter und Vorgesetzte positive Worte füllen können.

Für viel Begeisterung sorgte auch der Münchner Entertainer und „Gedankenverführer“ Dr. Florian Ilgen am Ende des Symposiums, der als Experte für das Unbewusste die Gedanken der Zuschauer las.

„Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Anforderungen an die Pflege“, resümierte Organisator und Pflegedirektor Hans-Jürgen Stopora vom Klinikum Memmingen am Ende des diesjährigen Symposiums.

Bereits am Vorabend des Symposiums wurden die Organisatoren vom Verband der Pflegedienstleitungen in Schwaben von Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger im Rathaus empfangen.

„Die Pflegenden sind das Rückgrat eines jeden Krankenhauses und Altenheims“, betonte Dr. Holzinger und dankte den Organisatoren für ihr Engagement, allen voran Pflegedirektor Hans-Jürgen Stopora.

Das Pflegesymposium soll als Plattform dienen für Pflegeberufe aus ganz Schwaben und findet seit 1996 alle zwei Jahre in Memmingen statt. Sie ist die größte Veranstaltung dieser Art in Bayern.

Fotos:
Foto 1: In den Pausen konnten sich die Sympsiumsteilnehmer im Foyer der Memminger Stadthalle über Neuerungen bei Kompressen,  Medikamentendosierern oder Desinfektionsmitteln beraten lassen.
Foto 2: „Sich selbst nicht so ernst nehmen“ lautete das Motto von Trainerin Margit Hertlein, die beim Symposium Motivationstipps für den stressigen Krankenhausalltag gab
Foto 3: Am Vorabend des Symposiums wurden die Organisatoren um Pflegedirektor Hans-Jürgen Stopora (Dritter von links) von Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger (rechts) im Rathaus empfangen.

Fotoquelle: Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen

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