Kurze Sommerpause auf dem Arbeitsmarkt: Arbeitsmarktbericht August 2017

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Leicht erhöhte Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent – Weniger Menschen arbeitslos als im August des Vorjahres – Steigerung bei Jüngeren unter 25 Jahre – Neustart mit Selbständigkeit wird gefördert – Die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt stehen gut.

Viele interessante Details zum aktuellen Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Bezirk Memmingen-Kempten finden Sie hier.

Im August hat die Arbeitslosigkeit im Allgäu vorübergehend zugenommen. Wie bereits im Juli meldete sich erneut eine Reihe junger Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung für kurze Zeit arbeitslos.

„Das ist nicht ungewöhnlich, denn in dieser Zeit endet das Gros der schulischen und betrieblichen Ausbildungen und nicht alle jungen Menschen werden nahtlos übernommen. Sie verfügen jedoch über aktuelle berufliche Kenntnisse und sind als Fachkräfte gut geeignet um bei einem Betrieb zeitnah in eine neue Beschäftigung zu starten“, sagt Horst Holas, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Insgesamt arbeitslos gemeldet: 9.935 Frauen und Männer waren aktuell bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den sieben Jobcentern gemeldet.

Die Arbeitslosenquote lag mit 2,7 Prozent nur 0,2 Prozentpunkte höher als im Juli. Der Vergleich mit dem August des Vorjahres zeigt eine Verbesserung von 0,3 Prozentpunkten. Aktuell waren gut 1.100 Kräfte weniger arbeitslos als vor einem Jahr.

Anhaltend hoch blieb der Bedarf an Arbeitskräften in hiesigen Betrieben: Arbeitgeber stellten mehr als 7.300 Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung, quer durch viele Branchen.

Ausbildungsmarkt – die Chancen stehen gut

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September bietet der Ausbildungsmarkt im Allgäu ein erfreuliches Bild – wenn man ihn durch die Brille junger Menschen betrachtet. Denn bei der Agentur für Arbeit waren deutlich mehr Ausbildungsplätze gemeldet als jugendliche Bewerber. Aus Sicht der Arbeitgeber ist das Bild umgekehrt, denn mangels Bewerbungen kann nicht jeder zur Verfügung stehende Ausbildungsplatz besetzt werden.

Ausbildungsstellen Suchende: Gut 4.500 junge Menschen interessierten sich für eine Ausbildungsstelle – ähnlich viele wie im Jahr zuvor.

Zur Verfügung stehende Ausbildungsplätze: annähernd 6.100 Ausbildungsplätze gaben Unternehmen bis zum August zur Besetzung herein.

„Beide Werte spiegeln das anhaltend hohe Interesse sowohl von jungen Menschen wie auch von Arbeitgebern an einer betrieblichen Ausbildung wider“, so Horst Holas, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Auch wenn das neue Ausbildungsjahr gerade beginnt, bestehen für junge Menschen gute Chancen auch jetzt noch einen geeigneten Ausbildungsplatz zu bekommen. Wichtig ist dazu ein Gespräch mit dem Berufsberater. Ein Termin ist auch kurzfristig möglich.“

Im August waren allgäuweit noch gut 1.500 Ausbildungsstellen nicht besetzt, währen 680 Jugendliche weiter nach einem Ausbildungsplatz suchten, der ihren Vorstellungen entspricht.

Eine Übersicht zu unbesetzten Ausbildungsstellen und jugendlichen Ausbildungsinteressenten, die noch keine passende Ausbildungsstelle bekommen haben, zeigen die beiden folgenden Grafiken.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in den einzelnen Regionen des Agenturbezirks im Vergleich:

Entwicklung des Arbeitsmarktes

Die seit einigen Monaten anhaltende günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes verdeutlicht der mehrjährige Vergleich:

Arbeitslose Menschen – Jüngere derzeit stärker betroffen

Die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen unter 20 Jahren nahm aktuell um etwas mehr als 130 Menschen zu, der Kreis der Jüngeren unter 25 Jahren ergab eine Zunahme um gut 400 Kräfte.

Für viele von ihnen endete eine schulische oder betriebliche Ausbildung und sie meldeten sich für kurze Zeit arbeitslos.

Spätestens nach der betrieblichen Urlaubszeit im Haupturlaubsmonat August können viele der jungen Menschen eine neue Arbeit aufnehmen. Manche besuchen auch im Herbst eine weiterführende Schule oder beginnen ein Studium.

Selbständigkeit als gute Alternative

Für manche Menschen ist der Start in die Selbständigkeit eine sinnvolle berufliche Alternative um die eigene Arbeitslosigkeit zu beenden. Die Agentur für Arbeit unterstützt dies bereits seit mehreren Jahren kontinuierlich. Seit Anfang 2015 erhielten monatlich durchschnittlich 140 Menschen allgäuweit einen Gründungszuschuss.

Mit dieser Leistung wird besonders in der Startphase einer Existenzgründung ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Lebensunterhalts gewährleistet. Ziel ist eine nachhaltige berufliche Integration in der Arbeitswelt. Eine selbständige Tätigkeit sollte daher vorausschauend und zukunftsorientiert geplant sein. Ob die vorgesehene selbständige Tätigkeit tragfähig ist, bewerten Kammern oder Fachverbände jeweils mit ihrer Expertise.

Gründungszuschuss

Der Gründungszuschuss wird für insgesamt 15 Monate gezahlt. Während der ersten sechs Monate gibt es einen Zuschuss in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes. Zur sozialen Absicherung gegen Krankheit etc. wird ein monatlicher Pauschbetrag in Höhe von 300 Euro geleistet. Wenn der Gründer eine intensive Geschäftstätigkeit nachweisen kann, erhält er für weitere neun Monate erneut 300 Euro monatlich zur sozialen Absicherung.

Im vergangenen Jahr hat die Agentur für Arbeit 2,2 Mio. Euro an Beitragsmitteln für „Gründungszuschuss“ investiert. Im laufenden Jahr sind hierfür 1,8 Mio. Euro vorgesehen.

Die neuen selbständigen Tätigkeiten sind vielfältig: Vertriebsberater, Personal Coach, Bilanzbuchhaltung, Gastronom und eine ganze Reihe weiterer Betätigungsfelder befinden sich unter den Neugründungen.

Rückgang an Existenzgründungen bei steigenden Beschäftigungschancen

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Arbeitsvermittler in jedem Einzelfall prüfen müssen, ob nicht Stellenangebote von Betrieben vorliegen, die ebenfalls zu einer Integration auf dem Arbeitsmarkt führen. Denn die Aufnahme einer beitragspflichtigen Beschäftigung ist vorrangig.

Bereits seit Monaten haben Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu oftmals ausgezeichnete Chancen auf eine neue beitragspflichtige Beschäftigung. Das zeigt sich an dem breit gefächerten Stellenangebot hiesiger Betriebe.

Daher rührt auch der leichte Rückgang an geförderten Existenzgründungen. Das Bayerische Landesamt für Statistik hat diesen Trend auch für den gesamten Freistaat festgestellt. Im ersten Halbjahr 2017 gab es bayernweit 3,4 Prozent weniger Neugründungen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Anhaltend hoher Kräftebedarf

Im August blieb die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter lebhaft:

Etwas mehr als 1.900 Beschäftigungsmöglichkeiten gaben Arbeitgeber neu zur Besetzung herein, das gesamte Stellenangebot nahm auf mehr als 7.300 Stellenangebote zu.

Schwerpunkte beim Stellenmarkt

  • Produktionssektor: Besonders im Metallsektor und im Maschinenbau gab es gut 350 zusätzliche Stellenangebote.
  • Energie- und Elektrotechnik: Hier waren 190 neue Jobs zu besetzen, vor allem Fachkräfte waren dabei gefragt.
  • Logistiksektor: eine ganze Reihe von Mitarbeitern als Fachlagerist oder Kraftfahrer wurden gesucht.
  • Hotellerie und Gastronomie: zahlreiche neue Jobs für Köche und Servicepersonal waren aufgrund der sommerlichen Temperaturen zu vergeben.

Wie viele arbeitslose Menschen kommen auf eine angebotene Stelle?

Während in Büro und Verwaltung rein rechnerisch etwas mehr als drei arbeitslose Menschen auf eine angebotene Stelle kommen, sind im Bausektor, im IT-Bereich und in Produktion/Fertigung mehr Stellenangebote verfügbar als Menschen arbeitslos gemeldet sind:

Das Stellenangebot im Jahresvergleich

Im Jahresvergleich ist das Stellenangebot gestiegen, gleichzeitig sind weniger Menschen arbeitslos gemeldet.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im Agenturbezirk erreichte die Arbeitslosenquote mit 2,7 Prozent ein Ergebnis, das um 0,3 Prozentpunkte günstiger war als im August des vergangenen Jahres.

Vergleichbares gilt für alle Wirtschaftsräume des Agenturbezirks: In nahezu allen Regionen erreichte die Arbeitslosenquote sogar eine Zwei vor dem Komma.

Erstmals liegt der Landkreis Lindau gemeinsam mit der Region Mindelheim an der Spitze. Beide verzeichneten im August eine Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent.

Stark verbessert zeigte sich das Arbeitsmarktergebnis auch in den Regionen Memmingen, Füssen und Marktoberdorf und Füssen mit einer Quote von 2,4 bzw. 2,6 Prozent.

Günstigere Ergebnisse erzielten ebenfalls das südliche Oberallgäu und die Region Kempten mit Arbeitslosenquoten von 2,7 und drei Prozent. Gut aufgeholt hat der Raum Kaufbeuren. Während er im August 2016 eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent vorzuweisen hatte, lag der aktuelle Wert bei 3,4 Prozent.

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung

Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut.

Im Vergleich mit den Ergebnissen des Vormonats waren in beiden Bereichen mehr Menschen arbeitslos gemeldet (siehe Grafik). Wenn man die Entwicklung bei arbeitslosen Menschen jedoch im Jahresvergleich betrachtet, ergibt sich sowohl im Bereich der Arbeitslosenversicherung wie auch in der sozialen Grundsicherung („Hartz IV“) ein merklicher Rückgang.

Ausblick

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist die Zunahme auf Seiten der arbeitslos gemeldeten Menschen im August nur von kurzer Dauer. Mit dem Ende der Sommerferien und der Rückkehr zum „Regelbetrieb“ in vielen Firmen ist mit der Realisierung zusätzlicher Beschäftigungen zu rechnen. Als Folge davon können weitere arbeitslos gemeldete Menschen eine neue Arbeitsstelle antreten.

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