Offener Brief der Memminger FPD betreffend Bahnhofsareal und IKEA

offener-brief-der-memminger-fpd-betreffend-bahnhofsareal-und-ikea.jpg

Nach einer Online-Umfrage des Kreisverbandes der FDP Memmingen Anfang dieses Jahres zum Thema „Bahnhofsareal“ wurde das Ergebnis dieser Befragung bei der FDP-Jahreshauptversammlung im Juni 2017 bekannt gegeben und diskutiert. In einem offenen Brief wandte sich der FDP-Kreisvorstand unlängst an Oberbürgermeister Manfred Schilder, der neben dem Thema Bahnhofsareal auch die IKES-Ansiedlung mit einbezieht.

Der Kreisverband der FDP Memmingen hatte am Anfang dieses Jahres eine Online-Umfrage bei den Memminger Bürgern zum Thema „Bahnhofsareal“ durchgeführt.

Das Ergebnis dieser Befragung wurde bei der FDP-Jahreshauptversammlung im Juni 2017 im Beisein von Oberbürgermeister Manfred Schilder bekannt gegeben und diskutiert (wir berichteten). Aus Sicht der FDP Memmingen habe sich in der Zwischenzeit in Hinsicht auf dieses wichtige Projekt für unsere Stadt `ihres Wissens nach nichts getan´.

Deshalb richtete der FDP-Kreisvorstandes unlängst einen offenen Brief an Oberbürgermeister Manfred Schilder, der neben dem Thema Bahnhofsareal auch die IKES-Ansiedlung mit berücksichtigt.

Hier der offene Brief im Wortlaut:

Offener Brief
an den Oberbürgermeister der Stadt Memmingen

Sehr geehrter Herr Schilder,

die Entscheidung über die Ansiedelung von Ikea in Memmingen bzw. der Diskussion um Art und Umfang des dazu beantragten Fachmarktzentrums konnte und musste in den letzten Monaten nicht gefällt werden ohne gleichzeitig die Entwicklung und Zukunftsfähigkeit der Memminger Altstadt in den Mittelpunkt zu stellen.

Welche Auswirkungen wird IKEA auf das Besucher- und Kaufverhalten in Memmingen insgesamt haben, welche auf die Memminger ALTSTADT?

Welche Branchen und Besucher werden in Memmingen künftig von den IKEA Fachmarktzentren bedient, welche von der Memminger ALSTADT angezogen und welches Potenzial liegt brach?

Welche Probleme werden durch die erwarteten ca. 1 Mio. IKEA Besucher in Bezug auf den bereits bestehenden Wochenendfreizeitverkehr entstehen, auf welche Zufahrts- und Parkplatzveränderungen muss die ALTSTADT zukünftig reagieren?

Stellungnahme der FDP Memmingen

Die oben genannten Fragen sind – neben vielen weiteren bedenkenswerten Fragen – die Kernfragen der in den vergangenen Monaten diskutierten „Ikea-Frage“. Die FDP Memmingen hat dieses Thema ebenfalls kontrovers diskutiert und auch kritisch Stellung genommen. Letztendlich ist die Aufgabenstellung, die Ikea an die Stadt Memmingen stellt, immens und dürfte eine der größten Herausforderungen sein, vor die die Stadtentwickler nun ab sofort gestellt sind.

Es gilt nun mit der Entscheidung „umzugehen“, und möglichst realistisch und transparent auf die Auswirkungen und Herausforderungen zu reagieren.

Die FDP Memmingen begrüßt daher die gleichzeitig mit dem Beschluss zur Ikea-Ansiedelung getroffene Entscheidung zur Gründung eines Ausschusses, dessen Aufgabe es sein muss, die Altstadtentwicklung nun „voranzutreiben“.

Gleichzeitig sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass bereits in den vergangenen Jahrzehnten intensive Bemühungen und konkrete Vorschläge für eine zielorientierte Entwicklung der Altstadt vorlagen, die entweder nicht konsequent verfolgt oder nur halbherzig oder gar nicht finanziell gefördert und unterstützt wurden. Denn nicht nur Ikea stellt seit Jahren den Einzelhandel vor große Probleme, auch Ikea selbst samt Fachmarktzentrum gehört durch den stetig steigenden Internethandel nicht mehr zu den Zukunftskonzepten einer Stadt.

Kempten und Ulm stehen in Konkurrenz zu Memmingen, profitieren aber von einer höheren Kaufkraft bedingt durch das Umland und die Bevölkerungsstruktur der Stadt selbst. Der Wettbewerbsfaktor „Attraktivität“ – wie immer er auch definiert werden kann –  ist daher für die Stadt Memmingen daher grundsätzlich wertvoller, als ein mit umliegenden Städten vergleichbares und austauschbares Warensortiment.

Eine vorausschauende und innovative Ansiedlungs- und Stadtentwicklungspolitik ist nach der Entscheidung für Ikea daher für Memmingen wichtiger denn je.

Herausforderung Neugestaltung des Bahnhofsareals

Die Altstadt wurde in den letzten Jahrzehnten weder strategisch geplant noch städteplanerisch entwickelt. Privatinvestoren und -eigentümer prägen daher mit ihren unterschiedlichen Interessen das Altstadtbild. Öffentliche Fördermittel flossen fast ausschließlich in Projekte der Baugenossenschaften oder städtischen Bauvorhaben. Das Resultat ist eine Handelskonzentration auf die sogenannten 1A-Lagen, Investitionen in weniger umsatzstarke, „laufferne“ Ecken der Altstadt liegen brach.

Welche Branchen und Geschäftsformen wären für die Memminger Altstadt attraktiv?

Durch welche Handelsgeschäfte und welches Angebot kann Memmingen für welche Besucher aus dem Umland attraktiv werden?

Kann der künftige Ikea-Besucher zum „Mehrwert“ statt zum Konkurrenten für die Altstadt werden?

Die FDP Memmingen hat zu diesem Thema am 06. Juni 2017 eine Veranstaltung mit dem Städteplaner und Vorsitzenden des architekturforum allgäu e.V. Franz G. Schröck durchgeführt, in welcher zeitgleich eine Bürgerumfrage zum Thema Bahnhofareal vorgestellt wurde.

Diese Veranstaltung zeigte deutlich, dass die Neugestaltung eines Viertels wie dem Bahnhofareal noch wesentlich sensiblere Auswirkungen auf die umliegenden Handelsgeschäfte haben kann wie die nun geplante Ikea-Ansiedelung.

Ähnlich wie bei Ikea, können über ein derartiges Projekt Besucher angesprochen werden, die Memmingen jetzt nicht hat. Welche Besucher sind dies, und ähnlich wie bei Ikea – welcher Produktmix und welche „Strategie“ oder „Anreiz“ ist notwendig, um sie nach Memmingen zu bekommen?

Diese Fragen wurden weder bei der Ikea-Debatte noch beim Thema Bahnhofareal diskutiert, sie wurden weder gestellt noch erschöpfend beantwortet. Beim Bahnhofareal wurde über einen Investorenwettbewerb ausgeschrieben, konsequenterweise werden hier Projekte angeboten, „die sich rechnen“.  Es wurde in keinster Weise die Historie des Grundstückes beachtet. Die Frage „Was will ich?“ oder gar Aussagen wie „Ich unterstütze Vorhaben, die …“ sucht man im Ausschreibungsprozess vergeblich.

Abgesehen davon, dass von den bereits abgelehnten Vorschlägen keinerlei Gründe, warum diese abgelehnt worden sind, an die Investoren selbst gelangten, stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Transparenz und Vermittlung der Bedeutung für die Memminger Altstadt.

Seit Jahren wird ohne Ziel und Plan hinter verschlossenen Türen entschieden, so dass sich nach der Bürgermeisterneuwahl nun die berechtigte Frage stellt, ob man nach 2 Jahren „Stillstand“ im Entscheidungsprozess und dazu veränderten Bedingungen in der Altstadt durch Ikea so weiterwurschtelt, oder von Neuem, und strukturiert, neu beginnt?

Wie bereits erwähnt, liegen Ideen und Projekte zur Altstadtentwicklung seit Jahren vor. Wie sieht es mit den Plänen „der Stadt“ aus? Wohin soll und muss sich Memmingen in den nächsten Jahren entwickeln und welche Bauvorhaben können das wie unterstützen?

Die FDP Memmingen hat wie bereits erwähnt eine Onlinebefragung bezüglich des Bahnhofareals durchgeführt und in Ihrer Anwesenheit die Ergebnisse öffentlich präsentiert.

Eine Stellungnahme seitens der Stadt ist nicht erfolgt, auch die am Abend der Präsentation mit Ihnen dringend notwendige Neubetrachtung oder -analyse ist bisher nicht erfolgt. Weiterhin STILLSTAND bezüglich des gesamten Themas „Bahnhofareal“ und der Frage „WAS WOLLEN WIR?“

Forderungen der FDP Memmingen

Die FDP Memmingen fordert die Stadt Memmingen daher auf

  • Ein ökologisches „Shuttle“ System auszuarbeiten, dass den Ikea-Besucher in die Altstadt bringt und evtl. mit dem Parkplatzproblem und Besuchern des Klinikums Memmingen verbindet, so dass Ikea nicht zum „Satelliten“ wird und die Verkehrsproblematik entzerrt wird.
  • Das „Bahnhofareal“ transparent und offen zu diskutieren und vor allem sensibel mit Städteplanern zu entwickeln. Es ist ein Fehler, die Gestaltung der Altstadt Investoren zu überlassen!
  • Die Ergebnisse der Diskussionen und Ausschüsse regelmäßig und öffentlich zu publizieren, so dass ein „Fortschritt“ der Diskussionen auch erkennbar ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Mühe stundenlanger Fachgespräche nicht lohnt, wenn Ergebnisse nicht umgesetzt werden.
  • Letztendlich eine neue „Idee“ für die Zukunftsfähigkeit der Memminger Altstadt zu entwickeln, und diese auch zu formulieren und strategisch mit dem Einzelhandel umzusetzen. Also gilt es auch, die Bedenken und kritischen Meinungen von Fachleuten zum jetzigen Stand des „Bahnhofareals“ laut auszusprechen.

Die FDP Kreisverband Memmingen wünscht sich in diesem so umfangreichen Projekt eine sachliche Entscheidungsfindung und eine gute Diskussion mit erfahrenen Fachleuten.

Mit liberalen Grüßen,

Heike Schalk, Vorsitzende,
Dirk Grube, stellv. Vorsitzender,
Gerda Hick, Schriftführerin,
Daniel Jung, Schatzmeister,

im Namen des gesamten erweiterten Vorstandes der FDP Memmingen.

Foto:
Das Memminger Rathaus von oben. Fotocredit: Andreas S. (Einer unser Leser, der uns dieses schöne Bild des Rathauses aus der Vogelperspektive geschickt hat.)

scroll to top